Review: Rock Times (Germany)

Die Slammin' Gladys debütierten bereits vor fast zwanzig Jahren; 1992, um genau zu sein. Nun, zwei Dekaden später folgt mit – Nomen est Omen – das zweite Fullalbum. Was in den Jahren dazwischen passierte entzieht sich der Kenntnis des Rezensenten und ist eigentlich egal, denn es gilt, das neue Album unter die Lupe zu nehmen. Immerhin galt die Band aber als »Wahrzeichen des Underground-Groove-Rocks der 90er Jahre«. 

Was beim Lesen des Booklets sofort ins Auge fällt, ist der Name des Bassisten: Al Collins. Klar, der Mann der einem da sofort durch die Gedanken schießt, ist es nicht. Kann es ja gar nicht mehr sein. Ebenso wenig der andere Al Collins an den sechs Saiten. Aber da bei den Gastmusikern eine Stacie Collins aufgeführt ist, ist klar, dass es sich bei Al Collins um ihren Mann handeln muss, den man von den Country-Rockern Jason & The Scorchers kennt. Auch in der Stacie Collins Band zupft er die dicken Saiten. 

Hart(d) rockend mit einer Spur Glam eröffnet der "Toxic Lover" den Reigen der neun Nummern und was gleich angenehm auffällt, ist die Stimme des Shouters Dave Brooks, Da hört man sofort ein paar Referenzen heraus. Dazu aber mehr im stimmlichen Meisterstück "Poison Arrow". Zuvor zeigt die Band, dass sie auch funkig kann. Schön das Gitarrenspiel dazu, das einen tollen Wechsel aus typischem Funk-Rhythmus und harten Rockpassagen bietet. Dass sich Basser Collins wohl mächtig über Funk freut, dürfte klar sein, denn gerade der Bass hat bei dieser Spielart seine Momente. 

Momente hat dann auch Drummer DeBoard in "Lose My Mind", einem durch die Schießbude dominierten Rhythmusmonster. Hier fällt auch besonders das gekonnte Songwriting auf. "Durango" ist eine Blues Rock-Ballade vor dem Herrn, mit stellenweise herrlicher Hendrix-Gitarre von Farris, der die Platte im Übrigen auch produziert hat. In Brooks Stimme schwingt eine Spur Axl mit, ohne aber dessen manchmal nervende Frequenz zu erreichen. So ist das auch mit der Stimme in "Hold Up My Blue Sky", für mich was den Rest angeht, der schwächste Track des Albums. 

"Lost In Texas" rumpelt da wieder ganz anders. Blues Rock der härteren Gangart mit toller Harmonica von Frau Collins. "Light Up" wildert wieder im Funk Rock. Saustark erneut die Gitarre und der Bass, das ist eine brodelnde Masse, wie sie auch Mother’s Finest nicht besser hinbekommt. "Ice Water" ist da eine ganz andere Nummer; man mag den Song fast als flotten Country Blues bezeichnen, bei dem auch das »Yee-haw« nicht fehlt. 

Für mich das Filetstück des Silberlings ist "Poison Arrow". Siebeneinhalb Minuten ganz großes Kino. Die Hendrix-Spielart eröffnet und dann macht Dave Brooks den Mund auf und lässt die Stimmbänder schwirren, die dann klingen wie eine Mischung aus frühem Jon Bon Jovi, bereits erwähntem Axl Rose und Steve Marriott. Geil! Der Track ist ruhig und langsam, geht aber so tief unter die Haut. Genau so sollten die Slammin' Gladys weitermachen. Stimme und Gitarre sind vom Allerfeinsten, aber selbstverständlich sind auch alle anderen Beteiligten an dieser Klasse beteiligt. 

Ja, die Slammin' Gladys haben das Rad mit "Two" nicht neu erfunden, sind aber auch nicht mehr als »Wahrzeichen des Underground-Groove-Rocks der 90er Jahre« festzunageln. Das ist einfach schöner, abwechslungsreicher Rock, wie es ihn zuhauf gibt und gab. Allerdings mit einer Stimme, die mit genormter Perfektion wenig gemein hat, sondern voll die Glocke trifft.

By Ulli Heiser

Rock Times